2004-12-21

In China wird Reis zum knappen Gut: Chinas rasch fortschreitende Industrialisierung hat eine bisher nur von Fachleuten beachtete Folge: Die Volksrepublik ist zunehmend auf Importe von Grundnahrungsmitteln angewiesen. Das betrifft besonders den Reis: "Er ist von übergeordneter Bedeutung für die angemessene Nahrungsmittelversorgung in China", sagt Hu Peisong vom Nationalen Reisforschungsinstitut. Dies treibt die Preise hoch und erhöht die Abhängigkeit von Exporteuren wie Amerika und Australien. In den ersten sieben Monaten des Jahres verbuchte China ein Defizit im Agrarhandel von 4,5 Milliarden Dollar. 1995 bis 2003 indes lag der jährliche Handelsüberschuß für landwirtschaftliche Erzeugnisse bei durchschnittlich 4,3 Milliarden Dollar. Der Ökonom Lester Brown erwartet auch deshalb kräftig steigende Preise für Getreide auf dem Weltmarkt.
Die Landflucht trägt zur steigenden Produktivität im Anbau ausgewählter Früchte bei: Da viele Bauern in die Städte ziehen, um sich dort als Wanderarbeiter auf Baustellen zu verdingen, können die kleinen Parzellen zu ertragreicheren Äckern zusammengefaßt werden. Statt aber großflächig Reis anzubauen, züchten die verbleibenden Landwirte Kiwis oder Äpfel, mit denen sich deutlich höhere Renditen erzielen lassen. Das verschärft den Versorgungengpaß bei Getreide. Spekulationen über einen Verbrauch dieser Getreiderücklagen treiben die Preise ... damit wächst die Gefahr der sozialen Unruhen. Zu besseren Ernten soll der "Superreis" beitragen. Die 1996 eingeführte Neuzüchtung ist ein Projekt nationalen Ausmaßes. Die bessere Ausbeute wird helfen, aber China nicht mehr zum Selbstversorger machen. Peking wird sich daran gewöhnen müssen, auf den Weltmärkten einzukaufen. Und diese müssen sich wohl auf eine deutlich steigende Nachfrage aus Fernost einrichten - und damit auf steigende Preise.

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