2005-02-13

Die etwas andere Form der Wahlmanipulation. Der Wahlkandidat in der Rosenfalle: Kurz bevor Hunderte von Taiwanesischen Geschäftsleute die Stadt Dongwan verlassen, um die Heimreise mit dem ersten Direktflug von China nach Taiwan zum Anlass des chinesischen Neujahrs anzutreten, verlässt auch He Weitu, Abgeordneter der Hongkonger Demokratischen Partei, am 28. Januar die Millionenstadt in der Nähe der Provinzhauptstadt Kanton in Südchina. Als die größte Computerherstellungsbasis gehört Dongwan ... zu den lebhaftesten Städten Chinas, die im vergangenen Jahr als die „Reizvollste Stadt Chinas“ ausgezeichnet wurde. Reizvoll findet jedoch He die Stadt mit den grünen Palmen zwischen den Wolkenkratzern nicht mehr. „Von den 168 Tagen, die ich in Dongwan verbracht habe, möchte ich am liebsten nicht mehr sprechen“, sagte He am 3. Februar auf der Pressekonferenz in einem Hongkonger Krankenhaus nach seiner Freilassung aus einem Arbeitslager aus Dongwan. Beschuldigt wurde er, dass er sich bei einer Geschäftsreise nach Dongwan eine Prostituierte ins Hotelzimmer bestellt hätte. „Ich habe keine Prostituierte bestellt“, beteuert He Weitu immer wieder auf die Fragen der Journalisten. „Diese 168 Tage waren die schlimmsten und dunkelsten Tage in meinem ganzen Leben“, sagt He zu den Dutzenden von Journalisten. An einen Einspruch gegen die Verhaftung dachte Herr He nicht. Er habe sämtliche Beschuldigungen angenommen. Insgesamt elf Geständnisse habe er unterschreiben müssen. Im vergangen September sogar noch alle zwei Tage einen Reuebericht dazu. „Ich habe keine andere Wahl“, sagte er, „sonst droht mir, der Vergewaltigung beschuldigt zu werden“. Eine Beschuldigung, die eine viel härtere Strafe bedeutet. Was sich der Politiker aus der ehemals britischen Kronkolonie nicht gedacht hat, war, dass auch er mit keinem Rechtsanwalt sprechen durfte. „Jeden Tagen liefen ein Dutzend von Polizisten um mich herum, die keine Dienstnummer tragen“.
Der angeschlagene Politiker kündigte überraschend seinen Austritt aus der Demokratischen Partei auf der Pressekonferenz, damit „die Partei nicht weiter belastet“ wird. Aufgrund des Skandals hat die Demokratische Partei, laut einer Umfrage der Hongkong Universität kurz vor der Wahl für den Legitimationsausschuss im September 2004, allein in Kowloong, dem Wahlkreis von He Weitu, 5% der Stimmen verloren. Die Demokraten konnten nur 25 Sitze im Legitimationsausschuss gewinnen, während die der Zentralregierung in Peking nahe stehende Partei DAB mit einem deutlichen Vorsprung die größte Fraktion im Legitimationsausschuss stellte.

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