2005-07-05

Falun Gong hackt Satelliten

Auch wenn ich es für falsch halte, bei Falun Gong von einer Sekte zu sprechen, sei auf diesen Spiegel-Artikel hingewiesen:

TV-Sender angeblich von Sekte gehackt

Die in China verbotene Sekte Falun Gong soll am Sonntag einen Satelliten gestört haben, der das chinesische Staatsfernsehen ausstrahlt. Für knapp eine Viertelstunde soll Material der Sekte zu sehen gewesen sein.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP soll es Hackern der Falun-Gong-Sekte gelungen sein, die Ausstrahlung des Satelliten APSTAR 6 der APT Satellite Holdings Ltd. für knapp 15 Minuten zu stören. Laut dem Betreiber aus Hong Kong sei angeblich über knapp eine Viertelstunde ein Video der in China verbotenen Sekte auf 25 Sendern zu sehen gewesen sein.

Dreizehn der Stationen gehören zum staatlichen CCTV, die restlichen sind lokale und Stadtsender. Über den Inhalt des Videos ließ APT Satellite-Sprecher Brian Lo nichts Genaues verlauten. Er erklärte aber, dass das Programm offensichtlich für eine Stunde unterbrochen werden sollte, was jedoch den unbekannten Störern nur vierzehneinhalb Minuten gelang.

Falun Gong bestreitet jede Beteiligung an dem angeblichen Hack. Unabhängig davon wurden in Malaysia Ausgaben der Wochenzeitung "Epoch Times" beschlagnahmt, die Falun Gong nahe steht. Den Grund für die Beschlagnahmung vermutet Falun Gong in Beschwerden der chinesischen Staatsführung. In den chinesisch-sprachigen Ausgaben vom 2. und 7. Juni seien Artikel erschienen, die sich kritisch mit der Kommunistischen Partei Chinas auseinander gesetzt hätten, erklärte Herausgeber Raymond Ng.

3 Comments:

At 5:44 nachm., Blogger totala Tornesch said...

Mich interessiert, als was Sie Falun Gong bezeichnen würde. Ich bin weder Pro noch Contra, war immer erstaunt, welche Wirkung die Lehre auf Chinesen hat. Aber was ist es dann?
Monika Lützow

 
At 12:22 vorm., Blogger Marco Maas said...

Hallo Monika,

zunächst einmal Danke für den Kommentar.

Ich bin kein Theologe, daher weiß ich nicht, ob meine Definition einer Sekte hieb- und stichfest ist. Ich glaube aber, dass meine Auffassung der der Mehrheit entspricht.

Zum Begriff Sekte: Eine Sekte ist für mich eine religiöse Gemeinschaft, die einen gewissen Alleinherrschaftsanspruch hegt: Alle Mitglieder sollen an denselben "Gott" oder eine andere spirituelle Figur glauben und fast immer gehört ein irgendwie initialisierendes Taufritual zur Aufnahme in die Gemeinschaft dazu (dazu zählen alle Weltreligionen und die meisten "heidnischen" Religionen ebenso).

Dem Begriff "Sekte" schwingt eine negative Konnotation mit - auch wenn Christentum und Co. Sekten sind, wehren sich viele, eine Zugehörigkeit zu einer Sekte einzugestehen. Sie reden hier von einer "Religion", der Begriff ist deutlich positiver behaftet.

Falun Gong (FG) entspricht in keiner Weise o. g. Kriterien. Die Anhänger praktizieren Körperübungen, es findet kein Aufnahmeritual statt, die Gruppen sind lose organisiert, der Körperaspekt steht im Vordergrund. "Mitgliedern" (also Praktizierenden) steht es frei, eine beliebige Konfession zu haben. Der Begriff FG setzt sich aus Falun (Rad des Gesetzes) und Qigong (hierzulande eher bekannt als Tai Chi o. ä.) zusammen. Bei Falun Gong ist noch ein wenig spirituelles "Klimbim" beigemengt, der Schwerpunkt liegt jedoch auf den Taichi-Übungen, die einen idealisierten (so genannten "inneren") Kampf darstellen und in der chinesischen Kultur tief verwurzelt sind.

Ganz im Gegensatz dazu ist China ein traditionell sehr atheistisches Land, als "religiöse Menschen" werden beispielsweise von Chinesen selbst ausschließlich Mönche bezeichnet, alle anderen zünden von Zeit zu Zeit ein paar Räucherstäbchen an, um lokal aktive Geister zu beruhigen oder das Feng Shui (Wind und Wasser) zu verbessern , etc.

Eine religiöse Sekte in so einem unreligiösen Land ist schon ein Widerspruch in sich. Die angeblich so hohen Anhängerzahlen lassen sich nirgendwo ernsthaft bestätigen oder widerlegen, ich persönlich zweifle auch an den oftmals publizierten 60 Millionen Anhängern, aus folgendem Grund: Ich glaube, dass viele Qigong-Anhänger einfach mitgezählt werden, diese Form der Körperertüchtigung ist aber so etwas
wie ein Volkssport bzw. Frühsport, den jeder Chinese erlernt oder beherrscht (und z. Teil praktiziert), egal wie modern oder traditionell er aufgezogen ist. Sowohl FG-Anhänger als auch die chinesische Regierung betreiben hier massiv PR, und so ist das angebliche Massenphänomen FG entstanden. Wie gesagt, meine persönliche Einschätzung, ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen.

Generell empfehle ich hierzu die Wikipedia-Beiträge zu Falun Gong und Qigong.

Schönen Abend!

 
At 9:41 vorm., Blogger totala Tornesch said...

Hallo Marco,
zunächst danke für den ausführlichen Kommentar. Ja, religiös sind die Chinesen wohl eher nicht. Und von den einst berühmten philosophischen Betrachtungen etwa der Taoisten ist in der heutigen Bevölkerung nichts mehr zu spüren. Selbst der Konfuzianismus wird nur noch politisch missbraucht. Egal, ob Falun Gong nun eine Sekte ist oder eine Gymnastik-Initiative, sie ist offenbar sehr weit verbreitet, was sicher auf einen religiösen Mangel hinweist. Ich gestehe, dass ich nicht viel über Falun Gong weiß, aber ich habe schon den Eindruck, dass die Menschen sich zusammentun, weil sie sich nach Sicherheit und Geborgenheit einer Religion oder Sekte sehnen. FG ist doch ohne Zweifel mehr als eine Bewegung zur Körperertüchtigung. Sonst würden Mitglieder oder Sympathisanten doch nicht die Fernsehkanäle kapern.
Ein schönes Wochenende wünscht
Monika

 

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