2007-04-22

Hightech-Firmen mit Patenten vs. chinesische Nachahmer

Westliche Technologiefirmen haben ein Aktionsbündnis gegen chinesische Kopierer gegründet:
China gilt als Weltmeister im Kopieren, vor allem westliche Hersteller klagen immer wieder über Ideen-Klau. Nun drehen sie den Spieß um - und gehen systematisch gegen chinesische Firmen vor, die ins Ausland expandieren wollen. ... Dass die Importe chinesischer DVD-Player in die EU seit 2005 um 95 Prozent eingebrochen sind, hat mit einem strategisch koordinierten Gegenschlag westlicher Hersteller zu tun. Ein Konsortium westlicher Patentinhaber erteilte sich gegenseitig günstige Lizenzen, verlangte von Herstellern aus Fernost jedoch Lizenzgebühren pro Gerät. Auch ein "Billiglohnland" kann so seinen Kostenvorteil verlieren, wenn westliche Patentinhaber im Verein die Preise für Lizenzen hochtreiben. Die aufstrebende Volkswirtschaft aus Fernost tappt so in die Patentfalle. Je stärker wachsende chinesische Unternehmen in ausländische Märkte expandieren, desto häufiger werden sie von europäischen oder US-amerikanischen Marktführern attackiert. Ob DVD-Spieler, Mobiltelefone oder Computerchips: China muss das Thema "Intellectual Property" (IP) ernster nehmen, um sein eigenes Wachstum nicht zu gefährden.
"China sieht sich zunehmend genau dem Problem gegenüber, das viele seiner Unternehmen bislang anderen Nationen bereitet haben: Seine Produkte werden kopiert - oder durch Patentschutzklagen verdrängt", sagt Christoph Nettesheim, Geschäftsführer der Boston Consulting Group (BCG) in Peking. Die europäischen DVD-Patentinhaber führten ihren Gegenschlag in verschiedenen Stufen aus. Zunächst stoppten die Patentinhaber die Einfuhr unlizensierter Geräte in die EU, indem sie sich zum Konsortium zusammenschlossen und Händler mit mehr oder weniger sanftem Druck davon überzeugten, nur noch patentierte oder lizensierte Produkte in ihr Angebot aufzunehmen. In einem zweiten Schritt erteilten sich die Mitglieder des Konsortiums gegenseitig Lizenzen und waren so in der Lage, wechselseitig Technologien zu äußerst günstigen Konditionen zu erwerben. Die chinesische Konkurrenz wurde aus dem Markt gedrängt, obwohl sie durchaus DVD-Lizenzen hätte kaufen können: Bei Lizenzgebühren von rund 20 Dollar pro Gerät verzichtete sie jedoch freiwillig darauf, da sie auf Grund solcher Preise nicht mehr wettbewerbsfähig war. In ihren wichtigsten Exportmärkten geraten chinesische Unternehmen immer häufiger ins Visier der heimischen Marktführer. Die traditionellen Industrienationen setzen ihre Patente dabei auch als Waffe ein, um die Konkurrenz vom Markt zu verdrängen. Die Studie "Beyond the Great Wall" der Boston Consulting Group kommt zu dem Ergebnis: Ohne eigene internationale IP-Rechte drohen chinesischen Unternehmen horrende Lizenzkosten, sinkende Gewinne oder sogar der Ausschluss aus wichtigen Märkten. "Unternehmen in China haben ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung (FE) zwar dramatisch gesteigert, sie tun aber noch vergleichsweise wenig dafür, um sich internationale IP Rechte zu sichern ", sagt BCG-Geschäftsführer Nettesheim. "Das ist eine klare Wachstumsbremse ausserhalb Chinas."

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2007-02-27

China will weg von der Massenproduktion

Ein Bericht aus der FTD-Serie zum angestrebten Image-Wandel Chinas beschäftigt sich mit den Bemühungen Pekings, das Land vom Ruf des Billigheimers zu befreien:
Chinas Exportwachstum kannte in den letzten Jahren kein Halten. ... Doch auch in China sind die Zahlen kein Grund mehr zur reinen Freude. Handelsminister Bo Xilai erklärte den "Abbau von Überschüssen" zur handelspolitischen Toppriorität im Jahr 2007. China will mehr importieren, lautet die Botschaft an die Handelspartner ... Die Exportflut zu niedrigen Preisen schadet nicht nur Chinas Image, sondern ist nach Ansicht der Regierung auch ein Zeichen für falsch gesetzte Prioritäten. Arbeitnehmerrechte und der schonende Umgang mit Ressourcen bleiben bei der Massenproduktion auf der Strecke, fürchtet die Führung - aber auch der technologische Fortschritt. Die Kritik aus dem Ausland sei "eine Gelegenheit für China, seinen Handel auf Produkte mit höherer Wertschöpfung umzustellen und die Exportstruktur zu verbessern", sagte Bo. Die Regierung will deshalb die Exportproduktionszonen, aus denen vor allem Massengüter kommen und mit denen das Wirtschaftswunder in den 80er-Jahren begann, austrocknen und die Steueranreize für Investoren auslaufen lassen. Stattdessen fördert sie künftig 18 Hightech-Cluster. Neben der Informationstechnologie gehören Biomedizin, Elektronik und Luftfahrt zu den Zukunftsindustrien Chinas, welche die "Exportinnovationsbasis" erweitern sollen. Mit Erfolg brachte die Regierung eine Reihe internationaler Hersteller dazu, Forschungs- und Entwicklungszentralen in diesen Zonen zu etablieren - trotz des Misstrauens, das viele Unternehmen China beim Schutz des geistigen Eigentums entgegenbringen. Doch das reicht den ehrgeizigen Planern nicht: Inzwischen steckt Peking mehr als 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Forschung. Für ein Schwellenland ein hoher Anteil, der bis 2020 auf 2,5 Prozent steigen soll. Und die etwa eine Million Forscher haben längst mit ihrer Aufholjagd begonnen: Zwar kamen 2006 weniger als drei Prozent der internationalen Patentanmeldungen aus China - doch schätzt die World Intellectual Property Organization den Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr auf rund 57 Prozent.

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