2008-06-17

Wirtschaftssymposium: China und der Westen

Und gleich noch eine Veranstaltungsmeldung: Das Humboldt-Forum Wirtschaft veranstaltet am 25. Juni ein Ökonomisches Symposium zum Thema China und der Westen:
Seit der Öffnung nach Westen unter Deng Xiaoping Anfang der 80er Jahre kann China auf einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg zurückblicken: Wachstumsraten im zweistelligen Bereich, pulsierende Megacities, neue Kapitalmärkte, Chinas wachsender Anteil am Welthandel und Prestigepro-jekte wie die diesjährigen Olympischen Sommerspiele in Peking sind ebenso Folgen dieser Öffnung wie Umweltprobleme, soziales Wohlstandsgefälle, Rohstoffknappheit, kulturelle Spannungen, Handelsungleichgewichte sowie stärkere Konkurrenz für westliche Unternehmen und deren Arbeitnehmer.

Zwischen Peking und Hongkong entsteht eine neue Wirtschaftsmacht von rasch zunehmendem Gewicht. China erschließt sich inzwischen auch westliche Märkte und beeinflusst die Weltwirtschaft in zunehmendem Maße, nicht nur auf dem Gebiet der Produktion, sondern auch in Forschung und Entwicklung. Chinesische Investoren sind mittlerweile aus der Weltwirtschaft nicht mehr wegzudenken: in Afrika finanzieren sie Infrastrukur- und Energieversorgungsprojekte, in den USA versorgen ihre Staatsfonds taumelnde Banken mit Liquidität. Bei den Olympischen Spielen werden wir in diesem Jahr vielleicht einen Eindruck von der Zukunft bekommen: Laufen die Chinesen den Amerikanern davon?

Die Nebenwirkungen des Wachstums dieses neuen Standbeins der Weltwirtschaft stellen eine große Herausforderung dar. Die Verschmutzung von Luft und Wasser gehören ebenso dazu wie die Konkurrenz um Rohstoffe, insbesondere die um Öl und Gas. Der neue Wohlstand verharrt in den Küstenstädten und ist im chinesischen Inland nicht angekommen. Die transatlantische Gemeinschaft einerseits und die Chinesen andererseits sind sich in der Frage um die Universalität der Menschenrechte ebenso uneinig wie über künftige Macht- und Einflusssphären wirtschaftlicher, geostrategischer und militärischer Art. ... In Vorträgen, Podiumsdiskussion und Workshops wird nachvollzogen wer-den, wie Chinas Strategiewechsel von Abschottung hin zur Marktöffnung tiefgreifende Wandlungsprozesse in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen zur Folge hat.

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2007-01-16

Erstmals weniger Investitionen nach China

Ist der China-Hype tatsächlich schon vorbei? Diese Meldung gibt zu denken:
China musste im vergangenen Jahr erstmals seit Jahren einen Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen hinnehmen. Einschließlich des Finanzsektors - Banken, Versicherungen und Wertpapiere - seien die getätigten Investitionen um 4,06 Prozent auf 69,47 Mrd. $ gesunken, teilte das Handelsministerium mit. Zulegen konnte weiterhin das produzierende Gewerbe: Ohne die Finanzbranche stiegen die Investitionen um 4,47 Prozent auf 63,02 Mrd. $. Die Nachrichtenagentur Xinhua zitierte Handelsminister Bo Xilai mit der Aussage, dass die Jahresbilanz den Negativtrend des ersten Halbjahres umgekehrt habe. Die Betonung des positiven Trends bei den Investitionszahlen soll offenbar nach außen demonstrieren, dass China nach wie vor das Vertrauen internationaler Investoren genießt. Doch ist das Investitionsvolumen für Chinas Wirtschaftsentwicklung längst nicht mehr ausschlaggebend, meinen Experten. Auch mit knapp 70 Mrd. $ realisierter Zuflüsse bleibt das Land an der Weltspitze. Auch leidet China nicht an Kapitalknappheit. Dazu kommt, dass dem leichten Rückgang der Gesamtsumme ein steiler Anstieg im Vorjahr vorangegangen war. Nach der Öffnung des Finanzsektors für ausländische Investitionen hatten sich die Kapitalzuflüsse nach Daten der United Nations Conference on Trade and Development (Unctad) 2005 sprunghaft von 60,6 Mrd. $ auf 72,4 Mrd. $ erhöht. ... Es müsse mehr getan werden, um die Qualität der Investitionen zu verbessern, forderte die für Handelsfragen zuständige Vize-Ministerpräsidentin Wu Yi. Der größte Teil des Auslandskapitals wandert nach wie vor in exportorientierte Leichtindustrie-Fabriken. Nach einem Bericht der Chinesischen Akademie für Wissenschaften (CAS) exportierten auslandsfinanzierte Unternehmen in China in den ersten drei Quartalen 27,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. China profitiere davon nicht genug und brauche mehr Investitionen in Hochtechnologie und Dienstleistungen, kritisieren Experten. Während die Regierung Steuervorteile für Investoren in produzierenden Sektoren auslaufen lassen will, möchte sie ausländisches Engagement in Umweltschutz, Energieeffizienz und Forschung stärker fördern.
Gute Nachrichten ansonsten weiter für Volkswagen: Auch das Geschäft der VW-Tochter Audi brummt in China: Rund 81.700 Fahrzeuge wurden an Kunden ausgeliefert, das waren 39 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

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