2009-08-04

Post-Olympia-Blues in China

Die Olympischen Spiele haben keinen dauerhaften Aufschwung im chinesischen Bausektor mit sich gebracht, berichtet die Süddeutsche Zeitung:
Ein Jahr nach den pompösen Spielen veröden in China Hotels, Bürotürme, Stadien - und die Hoffnung auf politischen Wandel und Verbesserung der Menschenrechte sinkt. Das größte verlassene Vogelnest der Erde steht in Peking. Das Olympiastadion wird kaum noch genutzt. Straßenhändler verhökern vor seinen Toren falsche Goldmedaillen an Touristen. "Olympische Goldmedaillen, billig, billig", rufen sie. Touristen zahlen dafür, die leere Arena fotografieren zu dürfen. Aber als Sportstadion oder für Konzerte ist der riesige Prestigebau mit seinen 90.000 Plätzen zu groß. Genau ein Jahr nach den Olympischen Spielen in Peking symbolisiert das Vogelnest das zweifelhafte Erbe dieser Mega-Party. ... Die Hotels in Peking waren in diesem Juni nur zu 49,7 Prozent belegt. Und die Zimmer, die noch gebucht waren, erwirtschafteten 28,1 Prozent weniger Einnahmen als im Vorjahr. Im "Central Business District" der Hauptstadt stehen viele Bürohochhäuser leer, die im vorolympischen Bauboom wie Bambussprossen hochgeschossen waren. Doch ein Regime, das seinen Bürgern gegenüber nicht rechenschaftspflichtig ist, braucht sich um all das keine Sorgen zu machen. Die ganz großen Immobiliengeschäfte, möglicherweise ein heimlicher Hauptgrund für die Ausrichtung olympischer Spiele schlechthin, hatten die Parteibonzen ohnehin schon im Vorfeld gemacht.

Labels: , , ,

2009-05-03

Hat China die Krise schon überwunden?

Im Reich der Mitte tendieren die Zahlen (und die Stimmung?) wieder gen oben:
in China revidieren die Experten ihre Zahlen neuerdings nach oben. Die Ökonomen von UBS etwa erhöhten ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gerade von sechs auf mindestens sieben Prozent. Ihre Kollegen von Goldman Sachs sind noch optimistischer und hievten ihre Voraussage von sechs auf 8,3 Prozent. Einzelne Indikatoren hatten sich zuvor deutlich von ihren Tiefstständen Ende 2008 erhöht, darunter der Autoabsatz, die Stahlproduktion und der einschlägige Index für die Bauwirtschaft. Derweil explodiert die Kreditvergabe. Allein im ersten Quartal erreichten die Ausleihungen der Banken 93 Prozent der Summe, die im gesamten Jahr 2008 vergeben wurde - der Hauptgrund dafür, dass man die Wachstumsprognose erhöht habe, sagt UBS-China-Ökonomin Wang Tao. Denn dies sei "die größte Überraschung" unter den positiven Indikatoren der ersten drei Monate des Jahres gewesen. Andy Rothman, Ökonom des Investmenthauses CLSA in Shanghai, listet weitere Überraschungen auf: "Die Wohnungsverkäufe erholten sich schneller und stärker als erwartet, die Realeinkommen wuchsen schneller, Dienstleistungen laufen gut." Rothman sieht China "auf dem richtigen Weg" und erwartet ebenfalls acht Prozent Wachstum und ein starkes Anziehen der Wirtschaft im zweiten Halbjahr. Und das alles ohne Hilfe der Exporte.

... Verantwortlich machen die Fachleute zumindest teilweise das Konjunkturprogramm der Regierung. Das ist nicht nur mit umgerechnet 450 Milliarden Euro in Relation zur heimischen Wirtschaftsleistung größer als in den meisten Industrieländern. Es wirkt auch rascher, denn die mächtige Zentralregierung kann Beschlüsse zügiger durchdrücken, als es die Regierungen der westlichen Demokratien vermögen.

... Probleme gibt es vor allem in den Firmenbilanzen. Margen schrumpfen, Profite brechen ein. Gewinne großer und mittlerer Industrieunternehmen lagen im Januar und Februar laut CLSA-Ökonom Rothman 37 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Den Banken drohen durch die Kreditexplosion mittelfristig wieder neue faule Kredite.

Labels: , , ,

2008-12-20

Chinas Immobilienmarkt schmiert ab

Weitere Krisenmeldungen aus dem Reich der Mitte:
In Shanghai, Shenzhen and Guangzhou sind die Preise von Kommerziellen- und Wohnimmobilien im 3. Quertal so stark gefallen wie niemals zuvor. So meldet das Maklerunternehmen Savills Plc. für Shanghai einen Preiseinbruch von 19,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dementsprechend ist im Oktober auch die Bautätigkeit um 16,6 Prozent zurückgegangen, die im Vorjahresmonat noch einen Anstieg von 32,5 Prozent verzeichnet hatte. Bisher war die Bautätigkeit Chinas wichtigste Wachstumsbranche, die für rund ein Viertel aller Anlageinvestitionen verantwortlich war und 77 Millionen Arbeitskräfte beschäftigte. Laut der Investmentfirma Macquarie Securities wird die Bautätigkeit, die in den ersten drei Quartalen 2008 noch um neuen Prozent zulegen konnte, nächstes Jahr jedoch um schwindelerregende 30 Prozent einbrechen. In den zurückliegenden fünf Boom-Jahren hatten die chinesischen Immobilienentwickler allerdings riesige Gewinne angehäuft, insbesondere wenn sie über Bauland verfügen konnten, das sie am Anfang des Booms noch billig aufgekauft hatten. Jetzt kommen jedoch Objekte auf den Markt, wofür die Grundstücke um 2007, am Höhepunkt des Booms, eingekauft wurden und derzeit in der Regel nicht mit Gewinn verkauft werden können. Nach Reuters haben sich die Immobilienumsätze zuletzt schlichtweg halbiert, was etwa den größten Immobilienentwickler, China Vanke, gezwungen habe, die Preise um ein Drittel zu senken.

Labels: ,

2007-09-06

Schattenseiten des Immobilienbooms in Schanghai

Die FTD nimmt eine mögliche Immobilienblase in der Boomtown Schanghai in den Blick:
In Schanghai bauen Investoren Prestigeprojekte, aber keine bezahlbaren Wohnungen. Darüber hinaus geht die Angst vor dem Crash in der chinesischen Metropole um. ... Taiwaner, Hongkonger und Chinesen aus Übersee haben in der 16-Millionen-Stadt einen Immobilienboom ausgelöst, der weltweit vermutlich einmalig ist. "In den Jahren 2000 bis 2005, als die Preise für Wohnimmobilien scharf anzogen, wurde fast ein Drittel aller Luxusobjekte von Ausländern gekauft", sagt Larry Hu, Direktor beim Immobilienmakler Jones Lang LaSalle in Schanghai. Zahlen seines Unternehmens zeigen, dass die Büropreise in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 20 Prozent gestiegen sind. Laut Statistikbehörde wechselten vor zehn Jahren nur gut 9000 Häuser den Eigentümer, 2005 waren es fast 190.000. Manche Luxusobjekte sind sogar den Reichen zu teuer: Vom Luxusapartmentkomplex Tomson Riviera wurde erst fast ein Jahr nach der offiziellen Eröffnung die erste Wohnung verkauft. 979 Quadratmeter fanden für 132 Mio. Yuan einen Käufer, umgerechnet etwa 13 Mio. Euro. ... Dass die Kluft zwischen Reich und Arm in China immer schneller immer größer wird, zeigt sich nirgendwo so deutlich wie am Immobilienmarkt. Hier zeichnet sich ein "Mismatch" ab, wie Tobias Just von Deutsche Bank Research es nennt. Zwar prognostiziert er einen gewaltigen Neubaubedarf in China - etwa 120 Millionen zusätzliche Haushalte könnten dort bis 2025 entstehen. Aber "der Massenbedarf dürfte gerade am unteren Ende entstehen" und nicht im Topsegment. Doch erschwinglichen Wohnraum für geringqualifizierte Arbeitnehmer zu bauen rechne sich oft nicht, sagt Just. "Investoren müssen in das Topsegment, damit sie eine Chance haben, den Bodenpreis zu rechtfertigen." So wird weiter fast ausschließlich in teure Wohngebäude investiert, in der Hoffnung, dass eine wohlhabende Mittelschicht in China schneller heranwächst, als die Farbe von den Neubauten blättert. Bislang können sich diese Apartments meist nur gut bezahlte Expatriates leisten.

Labels: , , ,